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Ansichten Graubündens

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Joachim Dierauer beobachtet sorgfältig. Die hellen, roten Linien an den weissen Wänden sind zwar genau ausgerichtet, dennoch werden die Rahmen von Joachim nochmals zurechtgerückt und ihre Wirkung studiert. Diese Beobachtungsgabe stellt die Grundlage der aktuellen Ausstellung des Blood Knot Projects in der Werkstatt Chur dar, welches sich mit den Ansichten Graubündens auseinandersetzt.  Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Wochen und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf ein vertrautes, zugleich jedoch widersprüchliches Terrain.

Die Darstellung der Alpenlandschaft hat in der Kunst eine lange Tradition und der Blick auf sie hat sich im Laufe der Zeit stetig gewandelt. Während die Romantik die Berge als Ort der Sehnsucht idealisierte und überhöhte, waren frühere Darstellungen, etwa bei Joseph Anton Koch, von Ehrfurcht und Furcht geprägt: wild und unnahbar erhoben sich die Alpen vor dem Menschen. Heute hingegen erschließen Schnellstraßen und Zufahrten selbst die entlegensten Täler.

Mit dem Aufkommen des Tourismus wurden die Alpen zunehmend inszeniert, kommerzialisiert und bisweilen zum Kitsch stilisiert: Erlebniswelten, Themenorte, Parkflächen und Infrastrukturen überlagern das einstige Naturidyll. Wo früher die Natur als göttliches Sinnbild galt, zeigt sich heute eine postmoderne Inszenierung der Landschaft.

Joachim Dierauer erkundet in seinen lithografisch gedruckten Zeichnungen genau diese Spannungsfelder. Sein Blick richtet sich auf die Schnittstellen zwischen Natur und menschlicher Nutzung, auf Spuren der Eingriffe und auf jene Momente, in denen touristische und kommerzielle Strukturen das alpine Idyll kontrastieren.

Für die Ausstellung präsentiert er eine Serie von Farb-Lithografien im Postkartenformat. Die Arbeiten entstehen als seitenrichtige Zeichnungen auf Umdruckpapier, werden auf Lithografiestein übertragen, gedruckt und anschließend koloristisch weiterbearbeitet und in Auflage ediert.

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