Blood Knot Project
Ansichten Graubündens
Samstag, 18. April , 18 Uhr
Eintritt frei
Blood Knot Project
Die Vernissage am 18. Mai, 18 Uhr bildet den Auftakt zur Ausstellung «Ansichten Graubündens» von Joachim Dierauer und lädt dazu ein, gemeinsam in eine Auseinandersetzung mit der Alpenlandschaft einzutauchen. Als Teil des Blood Knot Projects findet die Vernissage in der Werkstatt Chur statt. Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Wochen und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf ein vertrautes, zugleich jedoch widersprüchliches Terrain.
Die Darstellung der Alpenlandschaft hat in der Kunst eine lange Tradition und der Blick auf sie hat sich im Laufe der Zeit stetig gewandelt. Während die Romantik die Berge als Ort der Sehnsucht idealisierte und überhöhte, waren frühere Darstellungen, etwa bei Joseph Anton Koch, von Ehrfurcht und Furcht geprägt: wild und unnahbar erhoben sich die Alpen vor dem Menschen. Heute hingegen erschließen Schnellstraßen und Zufahrten selbst die entlegensten Täler.
Mit dem Aufkommen des Tourismus wurden die Alpen zunehmend inszeniert, kommerzialisiert und bisweilen zum Kitsch stilisiert: Erlebniswelten, Themenorte, Parkflächen und Infrastrukturen überlagern das einstige Naturidyll. Wo früher die Natur als göttliches Sinnbild galt, zeigt sich heute eine postmoderne Inszenierung der Landschaft.
Joachim Dierauer erkundet in seinen lithografisch gedruckten Zeichnungen genau diese Spannungsfelder. Sein Blick richtet sich auf die Schnittstellen zwischen Natur und menschlicher Nutzung, auf Spuren der Eingriffe und auf jene Momente, in denen touristische und kommerzielle Strukturen das alpine Idyll kontrastieren.
Für die Ausstellung präsentiert er eine Serie von Farb-Lithografien im Postkartenformat. Die Arbeiten entstehen als seitenrichtige Zeichnungen auf Umdruckpapier, werden auf Lithografiestein übertragen, gedruckt und anschließend koloristisch weiterbearbeitet und in Auflage ediert.
Blood Knot Project
(One string Bleeding through the next
In einer Zeit in dem Teile der Gesellschaft nur noch eine stilisierte Abbildung des „ich“
kreieren, wird das eigentliche „ich“ als Solches verkannt.
Das soziale Netz ist entfremdet. Es werden ausschließlich die Teile seines Lebens
präsentiert, die man für die bestmögliche Version seiner selbst hält. Genau genommen
wird ein zweites „ich“ erschaffen. Eine überzeichnete Version seiner selbst, eine Maske.
Die eigene Rolle wird kultiviert.
Das Projekt will einen offenen Raum bieten, welcher in einem historischen und
kulturellen Netz, eine Beziehung zum Individuum anstrebt.
Neuen Bindungen knüpfen und erkennen, um sich schlussendlich selbst zu erkennen.
Es ist nicht die Suche nach Gemeinsamkeiten, sondern eine Präsentation des
Ungeschminktem. Quasi alles oder nichts.
